Der Break Dance der Familie Bruch gehört seit Jahrzehnten zu den bekannten reisenden Rundfahrgeschäften im Westen Deutschlands. 2026 hat die Anlage eine der größten optischen und konstruktiven Veränderungen ihrer Geschichte erhalten: Ein neuer klappbarer Rundbau von SAD Maschinenbau ersetzt die bisherige klassische Rückwandkonstruktion und bringt das Geschäft technisch wie optisch in eine neue Phase.
Hinter dem heutigen Break Dance steckt jedoch weit mehr als ein Umbau. Die Anlage wurde 1990 gebaut, wechselte innerhalb der Familie mehrfach den Besitzer, wurde jahrelang von einer anderen Schaustellerfamilie betrieben, trug eine prägende Gestaltung von Jacques Courtois und dem Art Studio Przybyla und erlebte 2023 in Sterkrade einen tragischen Einschnitt.
Ein Huss Break Dance aus dem Jahr 1990
RideIndex führt die Anlage als Break Dance 1 des deutschen Herstellers Huss mit Baujahr 1990. Die Grundfläche wird mit rund 20 mal 21 Metern angegeben, die Höhe mit etwa 15 Metern. Der elektrische Anschluss liegt bei 150 Kilowatt.
Das Geschäft besitzt 16 Gondeln auf vier Gondelkreuzen. Pro Gondel können zwei Personen mitfahren, womit sich eine Kapazität von 32 Fahrgästen pro Fahrt ergibt.
Onride und das Archiv Kulturgut Volksfest dokumentieren zusätzlich die Baunummer 53 470 und datieren die Fertigung auf November 1990. Der Break Dance gehört damit nicht zur ersten Generation von 1985, sondern zu einer späteren Serie des bereits etablierten Huss-Erfolgsmodells.
Der Break Dance 1 selbst hatte 1985 seine Premiere. Charakteristisch sind die große geneigte Drehscheibe, vier separat angetriebene Gondelkreuze und frei drehende Gondeln. Aus dem Zusammenspiel dieser Bewegungen entsteht der typische Fahrablauf, bei dem keine Runde exakt der vorherigen gleicht.
Hermann und Bruch kaufen die Anlage
Die Besitzgeschichte beginnt 1990 beziehungsweise 1991. Kulturgut Volksfest dokumentiert, dass die Firma Hermann und Oskar Bruch die Anlage gemeinsam erwarben. RideIndex führt Herrmann als Vorbesitzer.
Die Zusammenarbeit war nur von kurzer Dauer. Nach Angaben des historischen Archivs gab es bereits während der ersten Saison unterschiedliche Vorstellungen über die Reiseroute. Oskar Bruch bevorzugte eine westdeutsche Route. Die Gemeinschaft wurde deshalb wieder aufgelöst.
Anschließend übernahmen Inge und Oskar Bruch den Break Dance vollständig. Damit begann die lange Verbindung der Anlage mit der Düsseldorfer Schaustellerfamilie Bruch.
Familie Erber betreibt den Break Dance ab 1996
Eine Besonderheit der Geschichte ist, dass Eigentum und tatsächlicher Reisebetrieb über viele Jahre nicht identisch waren. Ab 1996 führte die Familie Erber mit ihrem Sohn Markus den Break Dance im Auftrag der Eigentümer.
Kulturgut Volksfest beschreibt diese Phase als besonders intensive Pflege- und Entwicklungszeit. Die Familie Erber behandelte das Geschäft demnach praktisch wie eine eigene Anlage und brachte Ideen in die technische und optische Weiterentwicklung ein.
Diese Betriebsphase dauerte bis 2011. Damit stand der Break Dance rund 15 Jahre unter der täglichen Verantwortung der Familie Erber, obwohl er weiterhin zum Bruch-Besitz gehörte.
Courtois prägt das Gesicht des Break Dance
Ein großer Teil des Wiedererkennungswerts kam über Jahrzehnte von der Rückwand. Das historische Archiv ordnet die Gestaltung Jacques Courtois zu, einem französischen Künstler, der zahlreiche Huss-Geschäfte mit seiner Mischung aus Pop Art, Street-Art-Elementen, amerikanischen Motiven und fließenden Farbverläufen prägte.
Die Bruch-Anlage gehört zu den dokumentierten Break-Dance-Geschäften mit Courtois-Gestaltung. Ende der 1990er-Jahre ließ Oskar Bruch die Malerei und weitere Ausstattung im Art Studio Przybyla überarbeiten. Dabei flossen nach Angaben des Archivs auch Ideen von Markus Erber ein.
Nach der Saison 1999 wurden die Gondeln erstmals im Art Studio Przybyla mit Airbrush neu gestaltet. 2011 folgte dort eine weitere Überarbeitung der Gondelgestaltung.
Damit blieb das Geschäft optisch zwar in seiner klassischen Kirmesära verwurzelt, wurde aber immer wieder gepflegt und angepasst.
2011 geht der Break Dance an die nächste Generation
Im Sommer 2011 wechselte der Break Dance innerhalb der Familie erneut. Kulturgut Volksfest dokumentiert den Verkauf durch Inge Bruch an ihren Neffen. In historischen Quellen taucht dessen Vorname teilweise als Wilhelm auf; aktuelle Betreiber- und Fahrgeschäftsquellen führen William Bruch.
Onride führt William Bruch seit 2011 als Besitzer. In der heutigen öffentlichen Darstellung des Betriebs werden William und Romina Bruch genannt.
Die Anlage blieb damit trotz der verschiedenen Betriebsphasen eng mit der Familie Bruch verbunden. Es handelt sich nicht um ein Geschäft, das regelmäßig zwischen völlig unterschiedlichen Schaustellerunternehmen wechselte, sondern um einen Break Dance mit einer weitgehend durchgehenden familiären Geschichte.
Technische Modernisierung lange vor der neuen Rückwand
Die Modernisierung 2026 ist nicht der erste technische Eingriff. Dokumentationen aus der europäischen Fahrgeschäftsszene führen den Bruch-Breaker bereits 2015 als erste Break-Dance-Anlage, die mit neuen Gondelkreuzen von SAD Maschinenbau ausgerüstet wurde.
Damit wurden wichtige Bauteile des über 30 Jahre alten Huss-Geschäfts schon deutlich früher modernisiert. Der originale Charakter des Fahrgeschäfts blieb erhalten, während einzelne technische Komponenten auf einen neueren Stand gebracht wurden.
Gerade bei reisenden Großfahrgeschäften ist diese Kombination typisch: Der Grundbau bleibt über Jahrzehnte erhalten, während sicherheitsrelevante Bauteile, Steuerungen, Konstruktionselemente, Beleuchtung und Transporttechnik schrittweise erneuert werden.
2026 folgt der große Umbau der Rückwand
Im Winter und Frühjahr 2026 wurde der nächste große Schritt sichtbar. Der Break Dance erhielt einen neuen klappbaren Rundbau von SAD Maschinenbau.
SAD bietet dieses System unter der Bezeichnung BD-EAS.01 speziell für Huss Break Dance an. Der Hersteller beschreibt eine verzinkte Stahlkonstruktion, die nach DIN EN 13814 berechnet und gefertigt wird. Für das System nennt SAD rund 13 Tonnen Gesamtgewicht und eine Höhe von etwa 10,6 Metern ohne Schriftzug.
Entscheidend ist jedoch weniger das Gewicht als die neue Aufbauweise. Der Rundbau ist klappbar und soll den Auf- und Abbau mit deutlich weniger Personal ermöglichen. SAD nennt außerdem vereinfachtes Verladen, eine verbesserte Anbindung an den Mittelbau und eine aktuelle Windlastberechnung als Vorteile.
Für die Konstruktion gibt SAD einen uneingeschränkten Betrieb bis sieben Beaufort beziehungsweise 15 Meter pro Sekunde Windgeschwindigkeit an. Bau- und Statikabnahme sowie die Gleichstellungsprüfung werden laut Hersteller durch TÜV Nord begleitet.
Die neue Bruch-Rückwand wird in der Fahrgeschäftsdokumentation 2026 ausdrücklich als SAD-Rundbau geführt. Spätestens im Juli war die Anlage in dieser modernisierten Form dokumentiert.
Neue Optik statt jahrzehntealter Courtois-Wand
Mit dem neuen Rundbau änderte sich auch das Gesicht des Fahrgeschäfts grundlegend. Die jahrzehntelang vertraute Courtois-geprägte Rückwand wurde durch eine neue Gestaltung ersetzt.
Damit ging ein Stück klassischer Break-Dance-Optik aus dem regulären Reisebetrieb. Die alte Rückwand wurde nach den öffentlich dokumentierten Angaben jedoch ersetzt und nicht zerstört.
Die neue Gestaltung setzt auf kräftigere moderne Farben, neue Bildmotive und eine zeitgemäße Beleuchtung. Während der Umbauphase wurden außerdem neuer Schriftzug, Lichtleisten, passende Elemente für den Rundbau und eine neue Chipkasse öffentlich thematisiert.
Das Ergebnis ist kein Neubau des kompletten Fahrgeschäfts. Mittelbau und Grundprinzip bleiben der Huss Break Dance von 1990. Der neue Rundbau verändert aber Aufbau, Transport und äußere Erscheinung so deutlich, dass der Breaker 2026 sichtbar in eine neue Epoche gewechselt ist.
Ein tragischer Einschnitt in Sterkrade 2023
Zur Geschichte des Bruch-Breakers gehört auch der 11. Juni 2023. Auf der Sterkrader Fronleichnamskirmes in Oberhausen kam William Bruch Jr. im Alter von 17 Jahren bei einem Unfall an dem Fahrgeschäft ums Leben.
In den ersten Tagen nach dem Unfall berichteten mehrere Medien, der Jugendliche habe noch Fahrchips eingesammelt, als der Break Dance angefahren sei. Diese erste Darstellung erwies sich in der späteren gerichtlichen Aufarbeitung jedoch nicht als der abschließende Ermittlungsstand.
Im September 2025 wurde das Strafverfahren vor dem Amtsgericht Oberhausen eingestellt. Nach Angaben des WDR sagten drei Zeugen vor Gericht übereinstimmend aus, dass der 17-Jährige in einer Gondel gestanden habe, anstatt sich ordnungsgemäß hinzusetzen und den Sicherheitsbügel zu schließen. Kurz nach dem Start wurde er aus der Gondel geschleudert und tödlich verletzt.
Dem angeklagten Mitarbeiter war ursprünglich fahrlässige Tötung vorgeworfen worden. Nach der Beweisaufnahme sah das Gericht diesen Vorwurf nicht bestätigt. Der Richter wertete das Geschehen als eigenverantwortliche Selbstgefährdung; das Verfahren wurde eingestellt.
Diese spätere gerichtliche Feststellung ist für die historische Einordnung entscheidend. Die unmittelbar nach dem Unfall verbreitete Version mit dem Einsammeln von Chips darf deshalb heute nicht mehr ohne Hinweis auf das spätere Beweisergebnis als feststehender Ablauf wiederholt werden.
Der Verlust traf die Familie und die gesamte Schaustellerwelt schwer. Die Sterkrader Kirmes wurde nach dem Unglück zunächst unterbrochen. Auf Wunsch der Familie wurde der Betrieb am folgenden Tag in gedämpfter Form fortgesetzt; auf das Abschlussfeuerwerk wurde verzichtet.
Der Break Dance blieb Teil des Familienbetriebs
Trotz dieses Einschnitts blieb das Fahrgeschäft auf Reise. Die Bruch-Familie führte den Break Dance weiter und setzte die technische und optische Entwicklung fort.
Gerade der Umbau 2026 zeigt, dass die Anlage nicht lediglich konserviert wird. Mit dem SAD-Rundbau, früheren SAD-Gondelkomponenten und der neuen Gestaltung investiert der Betrieb weiter in ein Fahrgeschäft, dessen Grundkonstruktion inzwischen mehr als 35 Jahre alt ist.
Aktuell wird der Break Dance weiterhin dem Düsseldorfer Schaustellerbetrieb Bruch zugeordnet. RideIndex führt ihn als aktives Geschäft, und auch 2026 war er auf großen Plätzen wie der Sterkrader Fronleichnamskirmes und der Rheinkirmes Düsseldorf dokumentiert.
Vom 1990er Breaker zum modernisierten Klassiker
Die Geschichte des Bruch-Breakers zeigt exemplarisch, wie langlebig reisende Fahrgeschäfte sein können. 1990 gebaut, zunächst gemeinsam von Hermann und Oskar Bruch übernommen, später von Inge und Oskar Bruch geführt, rund 15 Jahre von Familie Erber betrieben und seit 2011 in der nächsten Bruch-Generation, hat die Anlage mehrere unterschiedliche Phasen erlebt.
Optisch reichte der Weg von der klassischen Courtois-Kunst über die Überarbeitungen des Art Studio Przybyla bis zur komplett neuen SAD-Rückwand 2026. Technisch kamen neue Komponenten hinzu, ohne das ursprüngliche Huss-Fahrprinzip aufzugeben.
Der Break Dance ist deshalb heute weder ein unverändertes Museumsstück noch ein komplett neues Fahrgeschäft. Er ist ein modernisierter Huss-Klassiker, bei dem mehr als drei Jahrzehnte Kirmesgeschichte weiterhin im Grundbau stecken.
Stand August 2026 reist die Anlage weiter unter Bruch. Die neue Rückwand und der klappbare Rundbau markieren dabei die jüngste große Veränderung einer Geschichte, die 1990 begann und längst weit über die reine Technik des Fahrgeschäfts hinausgeht.


