Kirmes News Mehr als 70 Jahre Fahrgeschäftsgeschichte 12 Min. Lesezeit

Schäfer aus Schwerte: Von Enterprise bis Shake & Roll und Voodoo Jumper

Shake & Roll und Voodoo Jumper der Schaustellerfamilie Schäfer auf einem beleuchteten Kirmesplatz als Motive einer historischen Schäfer-Chronik
Shake & Roll und Voodoo Jumper der Schaustellerfamilie Schäfer auf einem beleuchteten Kirmesplatz als Motive einer historischen Schäfer-Chronik

Von der Berg-Autorennbahn 1953 über Wildcat, zwei Enterprises, Ranger, Surf Dance und Turbo Force bis zu Shake & Roll und Voodoo Jumper: Die Geschichte der Schaustellerfamilie Schäfer ist ein Stück deutscher Kirmesgeschichte.

Wenn Shake & Roll von Schäfer im September 2026 erstmals auf dem Münchner Oktoberfest aufbaut, ist das mehr als nur eine neue Wiesn-Zulassung. Das Geschäft ist bereits 35 Jahre alt, gilt als erster Mondial Shake R5 und steht für eine Schaustellerfamilie, deren dokumentierte Fahrgeschäftsgeschichte mindestens bis in die frühen 1950er-Jahre zurückreicht. Während der Voodoo Jumper von Hans Otto Schäfer jun. bereits seit 2017 auf der Wiesn bekannt ist, bekommt ausgerechnet der wesentlich ältere Shake & Roll 2026 zum ersten Mal seinen Platz auf der Theresienwiese.

Hinter diesen beiden heute bekannten Namen steht eine außergewöhnlich breite Betriebsgeschichte. Hans-Otto Schäfer, der 2022 im Alter von 81 Jahren starb, war nach zeitgenössischen Nachrufen Schausteller in fünfter Generation. Im Laufe seines Berufslebens reiste er mit mehr als 45 verschiedenen Karussells und Achterbahnen quer durch Deutschland. Dazu kamen Kooperationen mit anderen traditionsreichen Schaustellerfamilien, technische Experimente mit damals neuen Fahrgeschäftstypen und immer wieder Anlagen, deren weiterer Weg später bis in die USA, nach Asien oder nach Südamerika führte.

Die frühesten belegbaren Spuren

Eine der frühesten heute noch sauber dokumentierten Anlagen im Schäfer-Umfeld ist eine Berg-Autorennbahn von Hans Schäfer. Ride-Index datiert die überdachte Go-Kart-Bahn auf das Jahr 1953. Sie verfügte über rund 120 Meter Fahrbahn und nahm mit 36 mal 14 Metern bereits eine beachtliche Fläche ein.

Noch spektakulärer wurde es Anfang der 1960er-Jahre. Zwischen etwa 1962 und 1969 betrieb Schäfer eine kleine Schwarzkopf-Wildcat-Achterbahn, die als Himalaya-Bahn geführt wurde. Ab 1970 übernahm Rudolf Barth die Anlage. Damit gehörte eine transportable Stahlachterbahn schon Jahrzehnte vor Shake & Roll und Voodoo Jumper zur Familiengeschichte.

Die 1970er: Wellenflug, Polyp, Troika und zwei Enterprises

In den 1970er-Jahren wurde die Liste der Schäfer-Geschäfte besonders vielfältig. 1973 ging ein Zierer-Wellenflug unter Hans-Otto Schäfer auf der Frühjahrskirmes in Hemer in Betrieb. Die Anlage bot 32 Plätze und wurde bereits Mitte der 1970er-Jahre in die USA verkauft. Ein zweiter Wellenflug folgte später in diesem Jahrzehnt.

Ebenfalls 1973 taucht Schäfer in der Besitzerhistorie eines Bakker-Polypen auf. Dieses Geschäft wechselte später mehrfach den Besitzer und blieb über Jahrzehnte im Reisebetrieb. Damit reicht die Linie eines ehemaligen Schäfer-Geschäfts bis weit in die Gegenwart.

Von etwa 1974 bis 1976 reiste Schäfer außerdem mit dem Turbo Star, einer Huss Troika. Die Anlage wurde anschließend nach Großbritannien verkauft und dort unter verschiedenen Betreibern eingesetzt.

Ein besonders wichtiges Kapitel begann 1975 mit der ersten Enterprise. Ride-Index führt die Anlage als erste Huss Enterprise für Deutschland. Premiere war beim Schützenfest in Remscheid. Schäfer betrieb dieses Geschäft bis Ende 1993. Danach ging die Anlage nach Singapur; ihre Rückwand blieb zurück und wurde später am Rainbow im indischen Freizeitpark Essel World verwendet.

Noch ungewöhnlicher ist die Geschichte der zweiten Enterprise. Schäfer hatte ursprünglich bei Huss einen Tri Star bestellt. Laut der dokumentierten Historie sollte der TÜV bei der Übergabe jedoch nur einen vergleichsweise gemäßigten Fahrtablauf genehmigen. Schäfer änderte daraufhin die Bestellung und entschied sich stattdessen für eine weitere Enterprise. Diese zweite Anlage wurde 1978 gebaut und blieb ungefähr bis Ende der 1980er-Jahre im Betrieb. Später ging sie an Evans Coney Beach in Großbritannien.

Damit reiste Schäfer zeitweise tatsächlich mit zwei Huss-Enterprises gleichzeitig beziehungsweise parallel im eigenen Geschäftsbestand. Gerade dieses Kapitel zeigt, wie stark der Betrieb schon damals auf große technische Fahrgeschäfte setzte.

Gemeinsam mit Bonner und Rühl

Ein Teil der Schäfer-Geschichte lässt sich nicht nur einem einzelnen Betrieb zuordnen. Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre entstanden Kooperationen mit Bonner und Rühl.

Gemeinsam mit Bonner betrieb Schäfer eine Mack Petersburger Schlittenfahrt. Das Geschäft wurde ungefähr 1976 gebaut und bot 40 Personen Platz. Heute ist diese Anlage nach Angaben von Ride-Index in North Wildwood in den USA zu finden.

Noch größer war die Kooperation unter dem Namen Vergnügungsbetriebe Herne, an der Bonner, Rühl und Schäfer beteiligt waren. Zu den dokumentierten Geschäften dieser Verbindung gehörte eine weitere Petersburger Schlittenfahrt und der American Loop, ein Vekoma Super Loop. Bei diesem Fahrgeschäft raste ein Zug vorwärts und rückwärts durch eine große Loopingschleife. Um 1983 ging die Anlage an Wagner; später wurde sie noch in Frankreich gesehen, danach verliert sich ihre Spur.

Ebenfalls zu dieser Kooperation gehörte der Para Tower. Der 1981 gebaute Vekoma-Turm war rund 32 Meter hoch und gilt in seiner Reiseausführung als besondere Anlage. Nach seiner Reisezeit wurde er ab 1985 im Traumlandpark Bottrop eingesetzt. Anfangs besaß er Stehkäfige, später Sitzgondeln. Mit dem Ende des Traumlandparks 1991 endet auch die klar dokumentierte Spur des Turms.

Ranger und 1001 Nacht

1981 kam ein Huss Ranger hinzu, den Schäfer bis 1989 betrieb. Danach ging die Anlage an Aschenbach, später nach Polen und anschließend zu Bergströms Tivoli nach Skandinavien. Um 2018 stand sie erneut zum Verkauf.

Parallel existierte ein weiterer Ranger in der Kooperation Bonner-Schäfer. Dieses Geschäft lief von 1981 bis 1985 unter dieser Verbindung und wurde 1986 von Vorlop übernommen. Vorlop setzte den Ranger bis 2002 ein, danach ging auch diese Anlage nach Polen.

Von 1983 bis 1985 gehörte außerdem eine Weber 1001 Nacht zu Schäfer. Was danach mit diesem Geschäft passierte, gehört zu den ungewöhnlichsten Geschichten dieser Chronik. Witte übernahm die Anlage, später gastierte sie im Traumlandpark und kam anschließend in den Berliner Spreepark. Nach dessen Schließung wurde das Fahrgeschäft nach Peru gebracht. Ein geplanter Rücktransport Ende 2003 scheiterte, nachdem in dem versandfertigen Karussell ein Drogenschmuggel entdeckt worden war. Die Anlage blieb schließlich in Peru.

Auch der heute unter Sascha Schaak reisende Hawaii Swing führt Schäfer in seiner früheren Besitzerhistorie. Die genaue Zeit des Schäfer-Betriebs ist in der Datenbank nicht präzise angegeben, die Verbindung zur Schwerter Familie ist jedoch dokumentiert.

Die 1990er: Mondial prägt eine neue Ära

Anfang der 1990er-Jahre begann ein Abschnitt, der die heutige Wahrnehmung des Betriebs besonders geprägt hat. 1991 ging zunächst der Surf Dance auf Reise, eine Mondial Super Nova. Schäfer betrieb die Anlage 1991 und 1992. Danach wurde sie in die USA verkauft und lief im Long Island Adventureland. Seit 2007 befindet sie sich nach Ride-Index im Freizeitpark Star City auf den Philippinen.

Im selben Jahr entstand das Geschäft, das bis heute wie kaum ein anderes mit Schäfer verbunden ist.

Shake & Roll: vom Prototyp zum Dauerbrenner

Shake & Roll wurde 1991 von Mondial gebaut und ist der erste Shake R5 dieser Baureihe. In den ersten beiden Jahren trug das Geschäft noch den Namen SHAKE (IT’S GREAT). Damals konnten die Gondeln stark schwingen, aber noch nicht in der heute bekannten Form frei überschlagen.

1993 erfolgte der entscheidende Umbau auf Überschlaggondeln. Seitdem verbindet das Geschäft die Drehung der großen Plattform, die Rotation der fünf Gondelkreuze und die frei schwingenden Zweiergondeln zu einem Fahrablauf, der sich kaum exakt wiederholen lässt.

Ride-Index nennt eine Grundfläche von 23 mal 23 Metern, eine Höhe von 14 Metern und 20 Gondeln für insgesamt 40 Personen. Die Loopings entstehen nicht durch einen eigenen Gondelmotor. Fliehkräfte, Gewichtsverteilung, Geschwindigkeit und Fahrweise bestimmen, wann und wie oft sich eine Gondel überschlägt.

Gerade diese Unberechenbarkeit ist ein Teil des Kultstatus. Selbst auf offiziellen Veranstalterseiten wird hervorgehoben, dass jede Fahrt anders ausfallen kann. Die Cranger Kirmes bezeichnet Shake & Roll als Dauerbrenner und führt das Geschäft aktuell unter Hans Otto & Else Schäfer GmbH.

2011 erhielt Hans-Otto Schäfer für Shake & Roll den Schausteller-Award „Bester auf Crange“. Die Stadt Herne führt ihn bis heute in der offiziellen Liste der Preisträger.

Trotz seines Alters blieb das Geschäft technisch nicht stehen. 2021 wurde öffentlich dokumentiert, dass KMG den Shake & Roll auf den aktuellen Sicherheitsstandard EN 13814 umrüstete. Später wurden neue Antriebe und ein neuer Schaltschrank am Geschäft dokumentiert; in den folgenden Jahren kam weitere LED-Technik hinzu. Damit ist der 1991 gebaute Prototyp technisch mehrfach modernisiert worden, ohne seine charakteristische Grundidee aufzugeben.

2026 folgt nun ein weiterer Meilenstein. Die offizielle Oktoberfest-Seite bestätigt Shake & Roll von Else Schäfer erstmals für die Wiesn. Standort ist die Matthias-Pschorr-Straße 52. Dass ein 35 Jahre alter Prototyp erstmals auf dem größten Volksfest der Welt zugelassen wird, macht diese Teilnahme zu einem besonderen Punkt in der Schäfer-Chronik.

Mr. Schäfers Old Flying Machine und eine ungewöhnliche Vorpremiere

Nach dem Verkauf des Surf Dance folgte 1993 Mr. Schäfers Old Flying Machine. Der Mondial Roll Over blieb bis 1995 unter Schäfer.

Schon vor der eigentlichen Premiere entstand eine Geschichte, die bis heute in der Fahrgeschäftsdatenbank festgehalten wird: Beim Sommersend Münster war die Rückwand bereits aufgebaut, doch der Mittelbau traf nicht rechtzeitig aus dem Werk ein. Statt den Platz leer zu lassen, stellte Schäfer kurzerhand die eigene Enterprise vor die bereits stehende Rückwand.

1996 ging die Old Flying Machine in den Gorki-Park nach Moskau. Nach dessen Umbau wurde die Anlage dort nicht mehr eingesetzt. Die Rückwand kam später zurück nach Deutschland und wurde von Greier bei der Umgestaltung eines Schunklers verwendet. Sie befindet sich nach Ride-Index noch heute am Hip-Hop-Jumper. Der Verbleib des eigentlichen Mittelbaus ist dagegen nicht geklärt.

Indiago und Top Scan

Von 1995 bis 1999 betrieb Schäfer den Indiago, ebenfalls eine Mondial Super Nova. Das Geschäft war 1990 unter Hanstein gestartet und ging nach der Zeit bei Schäfer in die USA. Später wurde die Anlage von Freij übernommen und in China sowie Dubai eingesetzt.

Von 1999 bis 2001 gehörte außerdem ein Mondial Top Scan zum Betrieb. Die 1997 gebaute Anlage war zuvor unter Ahrend & Clare unterwegs. Nach Schäfer ging sie zunächst in das Adventureland New York, kehrte später nach Europa zurück und reiste von 2006 bis 2011 unter Köhrmann als Top Scan – Poseidons Rache. Seit 2012 wird die Anlage in Frankreich geführt.

Action World, Turbo Force und American Swing

Zwischen 2002 und 2004 betrieb Schäfer das Laufgeschäft Action World. Wichtig für die historische Einordnung: Das Geschäft hatte bei früheren Besitzern ursprünglich Temple of Doom geheißen. Schäfer übernahm bereits die umgestaltete Action-World-Version. Nach der Zeit in Schwerte ging die Anlage an Hofmann-Jehn und bildete später die Basis für Freddy’s Company.

Ebenfalls 2002 startete unter Schäfer der Turbo Force von Zamperla. Das rund 40 Meter hohe Geschäft blieb bis 2017 im Betrieb. 2018 übernahmen Claudia und Andreas Zinnecker die Anlage und gestalteten sie zu Godzilla um. Später wechselte sie zu Patrick Sachs. Seit 2023 steht das ehemalige Schäfer-Fahrgeschäft stationär im Freizeitland Geiselwind.

Von 2005 bis 2016 gehörte auch der American Swing zum Schäfer-Angebot. Die Bertazzon-Schlittenfahrt war zuvor bei Hofmann und bot 40 Personen in 20 Gondeln Platz. Im September 2016 wurde das Geschäft in die USA verkauft und ist seit 2017 im Raum Myrtle Beach in South Carolina dokumentiert.

Voodoo Jumper: die nächste Generation

2012 kam mit dem Voodoo Jumper ein neues Kapitel hinzu. Das Geschäft reist unter Hans Otto Schäfer jun. und wurde von Fabbri als Smashing Jump gebaut. Schäfer ist Erstbesitzer; einen Vorbesitzer gibt es nicht.

Die Premiere fand im Juni 2012 auf dem Sommersend in Münster statt. Zwölf hängende Zweiergondeln bieten insgesamt 24 Plätze. Anders als beim Shake & Roll gibt es hier ausdrücklich keine Überkopffahrt. Stattdessen drehen sich die Gondeln frei um die eigene Achse, während die Arme eine schnelle Auf- und Abbewegung erzeugen. Dadurch entsteht der charakteristische Freifalleffekt.

Die Betreiberseite nennt eine Front von 22 Metern, 20 Meter Tiefe, 9,65 Meter Höhe und 200 kW Anschlussleistung. Nach Absprache kann das Geschäft auch mit einem Durchmesser von 18 Metern aufgebaut werden. Besonders ungewöhnlich ist das schräge Podium. Zudem stehen laut Betreiber 24 unterschiedliche Fahrprogramme zur Verfügung, der Antrieb ist geräuschreduziert und das Geschäft vollständig mit LED-Licht ausgestattet.

Die Cranger Kirmes bezeichnete den Voodoo Jumper 2012 als Weltneuheit und führt ihn heute weiterhin unter Hans Otto Schäfer jun. Seit 2017 gehört der Jumper außerdem zum bekannten Fahrgeschäftsangebot des Münchner Oktoberfests. Damit schaffte es die jüngere Schäfer-Anlage neun Jahre vor Shake & Roll auf die Wiesn.

Tradition statt nur Thrill: das Alt Wiener Pferdekarussell

Die Familie Schäfer steht nicht ausschließlich für schnelle Rundfahrgeschäfte. Ein vollkommen anderes Kapitel ist das Alt Wiener Pferdekarussell.

Das Zierer-Springpferdekarussell wurde 1979 gebaut und war lange im Fort Fun eingesetzt. Hans-Otto Schäfer bewahrte die eingelagert gewesene Anlage vor dem Verfall und restaurierte sie über mehrere Jahre. Ende 2018 kehrte das Geschäft beim Cranger Weihnachtszauber in den öffentlichen Betrieb zurück.

Ride-Index nennt eine Größe von 18 mal 21 Metern. Eine Besonderheit ist das Dach, das sich entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung bewegt. Schäfer selbst bewirbt das Geschäft als größtes Pferdekarussell der Welt. Unabhängig davon zeigt die Restaurierung, dass zum Betrieb nicht nur moderne Fahrtechnik, sondern auch der Erhalt historischer Schaustellertechnik gehört.

Mehr als Fahrgeschäfte

Die Geschichte von Hans-Otto Schäfer ist zugleich eine Geschichte des Schaustellergewerbes außerhalb der eigentlichen Karussells. Besonders eng war die Verbindung zu Sim-Jü in Werne. Dort stellte Schäfer über Jahrzehnte eine mehr als 100 Jahre alte Konzertorgel kostenlos auf der Hornebrücke zur Verfügung.

Nachrufe beschreiben ihn außerdem als engagierte und ausgesprochen direkte Stimme in der Verbandsarbeit des Deutschen Schausteller-Bundes. Er galt als jemand, der seine Position offen vertrat und für die Interessen des Gewerbes einstand – selbst wenn diese Haltung ihm gelegentlich einen guten Platz gekostet haben soll.

Hans-Otto Schäfer starb am 28. Januar 2022. Rund 400 Menschen nahmen nach Angaben der Ruhr Nachrichten an Trauerfeier und Beisetzung in Schwerte teil. Die Familie kündigte an, die Geschäfte als Familienbetrieb weiterzuführen.

Dieser Fortgang ist heute sichtbar. Die offizielle Schäfer-Seite führt Shake & Roll und das Alt Wiener Pferdekarussell sowie weitere Verkaufsbetriebe. Der Voodoo Jumper wird separat von Hans Otto Schäfer jun. geführt. Bei Sim-Jü 2026 nennt die Stadt Werne Shake & Roll unter Vergnügungsbetriebe Else Schäfer GmbH weiterhin ausdrücklich als einen der Dauerbrenner.

Was sich nicht vollständig belegen lässt

Bei einer so langen Betriebsgeschichte bleiben Lücken. Alte Szene-Archive nennen zusätzlich eine Tarantella beziehungsweise Hula Hoop und eine Bayern Kurve im Zusammenhang mit Schäfer. Für diese Anlagen lässt sich derzeit jedoch keine gleich starke unabhängige Betreiberhistorie finden wie bei Enterprise, Ranger, Shake & Roll oder Turbo Force.

Auch ein Orient Flight – 1001 Nacht wird von Ride-Index unter Schäfer geführt, allerdings ohne Datierung und ohne dokumentierte weitere Geschichte. Solche Einträge gehören zur historischen Spur, sollten aber nicht mit derselben Sicherheit behandelt werden wie vollständig dokumentierte Anlagen.

Genau deshalb ist die bekannte Zahl von mehr als 45 verschiedenen Karussells und Achterbahnen wichtig: Die öffentlich rekonstruierbare Liste ist umfangreich, aber sie bildet vermutlich noch immer nicht jedes Geschäft ab, das im Laufe mehrerer Jahrzehnte tatsächlich unter Schäfer oder in einer Schäfer-Kooperation unterwegs war.

Von der Wildcat zur Wiesn-Premiere

Die Schäfer-Geschichte lässt sich deshalb nicht auf Shake & Roll und Voodoo Jumper reduzieren. Sie reicht von einer Berg-Autorennbahn der 1950er-Jahre über eine Schwarzkopf-Wildcat, Wellenflüge, Polyp, Troika, zwei Enterprises, Ranger, Super Loop, Para Tower, 1001 Nacht und mehrere Mondial-Großfahrgeschäfte bis zu Turbo Force, American Swing und den heutigen Anlagen.

Viele ehemalige Schäfer-Geschäfte existieren noch oder hinterließen sichtbare Spuren: Surf Dance in den Philippinen, die Petersburger Schlittenfahrt in den USA, Turbo Force als späterer Godzilla in Geiselwind oder die Rückwand der Old Flying Machine am heutigen Hip-Hop-Jumper.

Und während ein Teil dieser Geschichte längst über mehrere Kontinente verteilt ist, stehen zwei Namen weiterhin regelmäßig auf deutschen Kirmesplätzen: Shake & Roll und Voodoo Jumper.

2026 treffen sich Vergangenheit und Gegenwart besonders deutlich. Der Voodoo Jumper hat sich längst auch auf der Wiesn etabliert. Shake & Roll, der Prototyp von 1991, bekommt 35 Jahre nach seinem Bau erstmals die offizielle Oktoberfest-Zulassung. Für eine Schaustellerfamilie, die über Generationen immer wieder zwischen Tradition, technischer Innovation und ungewöhnlichen Fahrgeschäftskonzepten gewechselt hat, ist das ein passender neuer Eintrag in eine Geschichte, die noch lange nicht abgeschlossen ist.

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Häufige Fragen zum Artikel

Seit wann ist die Schaustellerfamilie Schäfer mit Fahrgeschäften dokumentiert?

Eine Berg-Autorennbahn von Hans Schäfer ist ab 1953 dokumentiert. Hans-Otto Schäfer wurde in Nachrufen als Schausteller in fünfter Generation beschrieben, die Familientradition reicht damit weiter zurück.

Warum ist Shake & Roll von Schäfer besonders?

Das Geschäft wurde 1991 als erster Mondial Shake R5 gebaut. 1993 erhielt es Überschlaggondeln. Die Loopings entstehen frei durch Fliehkräfte, Gewichtsverteilung und Fahrweise und werden nicht von einem Gondelmotor erzwungen.

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