Oberhausen –
Oberhausen ist eine Kirmesstadt – aber nicht nur wegen Sterkrade. Über das Jahr verteilt prägen mehrere Volksfeste und Stadtteilkirmessen das Bild der Stadt. Manche davon sind weit über Oberhausen hinaus bekannt, andere leben vor allem von ihrer engen Verbindung zum jeweiligen Stadtteil. Zusammen erzählen sie eine Geschichte, die deutlich größer ist als ein einzelnes Kirmeswochenende.
Die Sterkrader Fronleichnamskirmes ist dabei ohne Zweifel das große Aushängeschild. Hinzu kommen die Schmachtendorfer Kröößkirmes und die Königshardter Wottelkirmes. Alle drei Veranstaltungen werden von der Stadt Oberhausen als städtische Kirmessen geführt. Dazu kommt eine historische Ebene, die heute im Alltag kaum noch sichtbar ist: Sterkrade hatte früher zusätzlich eine Herbstkirmes, die in Erinnerungen und älteren Kirmeszusammenhängen als Allerheiligenkirmes beziehungsweise Herbstkirmes auftaucht.
Genau diese verschwundene Tradition wirft eine spannende Frage auf: Wäre es nicht an der Zeit, Sterkrade neben der großen Fronleichnamskirmes wieder eine kleinere, eigenständige Herbstkirmes zu geben?
FunFair Entertainment möchte diese Frage bewusst als Idee und Diskussionsanstoß stellen. Es gibt nach aktuellem Stand keine offiziell angekündigte Planung für eine neue Herbstkirmes auf dem Hirschberg. Der Vorschlag ist eine redaktionelle Idee – verbunden mit dem Wunsch, ein Stück Sterkrader Kirmestradition neu zu denken.
Oberhausen besitzt drei städtische Kirmessen
Die Stadt Oberhausen führt heute drei Kirmesveranstaltungen in eigener Zuständigkeit: die Sterkrader Fronleichnamskirmes, die Schmachtendorfer Kröößkirmes und die Königshardter Wottelkirmes.
Schon diese drei Veranstaltungen zeigen, wie unterschiedlich Kirmes innerhalb einer einzigen Stadt aussehen kann.
Sterkrade steht für die große Straßenkirmes mit enormer Reichweite, vielen Großfahrgeschäften und einer Innenstadt, die für mehrere Tage vollständig vom Kirmesbetrieb geprägt wird.
Schmachtendorf steht für eine kompakte, familienorientierte Traditionskirmes mitten im Stadtteil. Die Kröößkirmes lebt von kurzen Wegen, örtlichem Handel, Nachbarschaft und einem Namen, der direkt aus der lokalen Geschichte stammt.
Königshardt wiederum pflegt mit der Wottelkirmes eine ganz eigene Stadtteiltradition. Auch dort ist der Name eng mit regionaler Sprache und Geschichte verbunden. „Wottel“ ist ein mundartlicher Begriff für die Möhre beziehungsweise Karotte. Wie bei der Kröößkirmes zeigt sich damit, dass Oberhausens kleinere Kirmessen nicht austauschbar sind. Sie tragen die Identität ihres jeweiligen Stadtteils im Namen.
Diese Mischung ist eine Stärke. Oberhausen besitzt nicht einfach drei Varianten derselben Veranstaltung, sondern drei Kirmessen mit unterschiedlichem Maßstab und unterschiedlicher Atmosphäre.
Sterkrader Fronleichnamskirmes – das große Aushängeschild
Wenn außerhalb der Stadt über Kirmes in Oberhausen gesprochen wird, fällt fast immer zuerst der Name Sterkrade.
Die Sterkrader Fronleichnamskirmes zählt zu den größten Straßenkirmessen Deutschlands. Rund um Fronleichnam verwandeln sich große Teile der Sterkrader Innenstadt in einen zusammenhängenden Kirmesplatz. Fahrgeschäfte stehen nicht auf einer einzigen großen Fläche, sondern verteilen sich auf Straßen, Plätze und Kreuzungen.
Gerade diese Bauweise macht Sterkrade besonders. Besucher bewegen sich durch eine echte Innenstadt und nicht über einen abgegrenzten Festplatz. Zwischen Geschäften, Häuserzeilen und Straßenzügen stehen moderne Hochfahrgeschäfte, Laufgeschäfte, Familienattraktionen, Kinderfahrgeschäfte, Gastronomie, Spielgeschäfte und traditionelle Reihengeschäfte.
Über Jahrzehnte hat sich dadurch ein unverwechselbares Bild entwickelt. Für viele Menschen in Oberhausen beginnt der Sommer erst richtig mit der Sterkrader Kirmes.
Auch wirtschaftlich und organisatorisch spielt die Veranstaltung in einer anderen Liga als die beiden kleineren Stadtteilkirmessen. Verkehrsführung, Sperrungen, Sicherheitskonzepte, Rettungswege, Anreise, öffentlicher Nahverkehr und die logistische Versorgung der Schausteller müssen für eine komplette Innenstadt geplant werden.
Trotz ihrer Größe ist die Fronleichnamskirmes aber gleichzeitig ein Stück Stadtteilgeschichte. Viele Besucher kommen seit ihrer Kindheit. Familien verbinden bestimmte Plätze mit bestimmten Geschäften, Schausteller kehren über Jahre oder Jahrzehnte zurück und die Veranstaltung gehört zum Selbstverständnis Sterkrades.
Kröößkirmes – Schmachtendorfs eigene Kirmesgeschichte
Ganz anders ist die Kröößkirmes in Schmachtendorf.
Sie ist deutlich kleiner, aber gerade das macht ihren Charakter aus. Die Veranstaltung liegt mitten im Stadtteil rund um den Marktplatz, die Schmachtendorfer Straße und die Dudelerstraße. Die Wege sind kurz, der Aufbau überschaubar und die Kirmes eng mit dem örtlichen Einzelhandel und dem Leben im Stadtteil verbunden.
Der Name „Krööß“ verweist nach lokaler Überlieferung auf ein Kompott aus Äpfeln und Pflaumen. Das Obst wurde zur entsprechenden Jahreszeit eingemacht und soll traditionell zur Kirmeszeit gegessen worden sein. Aus dieser regionalen Esskultur entwickelte sich der Name der Veranstaltung.
Lokale Berichte führen die Schmachtendorfer Kirmestradition mehr als 200 Jahre zurück. Dadurch wird deutlich, dass die Kröößkirmes nicht einfach eine kleine Ergänzung im Oberhausener Veranstaltungskalender ist, sondern eine historisch gewachsene Stadtteilveranstaltung.
Auch die Beschickung passt traditionell zum Format. Die Kröößkirmes braucht keine große Achterbahn oder mehrere spektakuläre Hochfahrgeschäfte, um zu funktionieren. Typisch ist vielmehr eine Mischung aus Familienfahrgeschäften, Autoscooter, Musik- beziehungsweise Rundfahrgeschäften, Kinderangeboten, Spielgeschäften und Gastronomie.
In den vergangenen Jahren waren beispielsweise Raupenbahn, Musik Center, Laufgeschäfte und weitere familienorientierte Angebote zu sehen. Die konkrete Beschickung verändert sich, der Charakter bleibt jedoch ähnlich: eine Kirmes, die nahbar und familienfreundlich sein will.
Wottelkirmes – Königshardts eigene Tradition
Auch Königshardt besitzt mit der Wottelkirmes eine eigene Kirmesidentität.
Der Name wirkt für Außenstehende ungewöhnlich, ist in der Region aber leicht zu erklären: „Wottel“ bezeichnet in der Mundart eine Möhre beziehungsweise Karotte. Wie beim „Krööß“ in Schmachtendorf steckt also auch hier ein Stück regionaler Sprache im Namen.
Die Wottelkirmes ist ebenfalls eine kleinere Traditionsveranstaltung. Sie ist nicht darauf ausgelegt, mit Sterkrade in Größe oder Beschickung zu konkurrieren. Stattdessen erfüllt sie eine ähnliche Funktion wie die Kröößkirmes: Sie bringt einen Stadtteil zusammen und verbindet Kirmesbetrieb mit lokaler Identität.
Gerade solche Veranstaltungen zeigen, warum kleinere Kirmessen für eine Stadt wichtig bleiben. Sie sind nicht nur Freizeitangebote. Sie schaffen Erinnerungen, stärken Stadtteilzentren und erhalten Traditionen, die bei einer reinen Konzentration auf ein einziges Großevent verloren gehen würden.
Oberhausen hat damit eine bemerkenswerte Struktur: eine sehr große überregional bedeutende Straßenkirmes und zwei kleinere, stark lokal geprägte Traditionskirmessen.
Doch früher war das Bild noch vielfältiger.
Die verschwundene Herbstkirmes in Sterkrade
Viele ältere Sterkrader erinnern sich noch daran, dass es neben der Fronleichnamskirmes eine weitere Kirmes im Herbst gab.
In Erinnerungen und älteren Kirmeszusammenhängen wird diese Veranstaltung als Herbstkirmes beziehungsweise Allerheiligenkirmes bezeichnet. Die historische Dokumentation ist heute deutlich lückenhafter als bei der Fronleichnamskirmes. Auch die genaue Bezeichnung wird nicht in jeder Quelle einheitlich geführt. Der Begriff Allerheiligenkirmes ist jedoch eng mit der Erinnerung an diese frühere Sterkrader Herbstveranstaltung verbunden.
Die Kirmes fand auf einer Fläche im Umfeld des Sterkrader Rathauses statt. Es handelte sich nicht um eine zweite Fronleichnamskirmes durch die komplette Innenstadt, sondern um eine kompaktere Veranstaltung auf einem klassischen Platz.
Genau das machte ihren Reiz aus. Im Frühjahr beziehungsweise Frühsommer gab es die große Sterkrader Straßenkirmes – im Herbst noch einmal einen kleineren Kirmestermin.
Für Kirmesfans bedeutete das zwei völlig unterschiedliche Erlebnisse innerhalb desselben Stadtteils.
Die frühere Fläche steht heute in dieser Form nicht mehr zur Verfügung. Das Umfeld wurde in den vergangenen Jahrzehnten baulich verändert und Teile der damaligen Platzsituation sind heute anders genutzt beziehungsweise bebaut. Damit verschwand nicht nur ein Veranstaltungsort, sondern langfristig auch die Herbstkirmes selbst.
Das ist ein typisches Problem vieler kleinerer Volksfeste. Wenn zentrale Plätze bebaut werden, Parkflächen dauerhaft umgenutzt werden oder neue Wohnbebauung entsteht, wird es immer schwieriger, einen Kirmesplatz später noch zu ersetzen.
Eine Kirmes braucht mehr als freie Quadratmeter
Auf den ersten Blick wirkt eine Kirmesplanung einfach: Man braucht einen freien Platz und stellt Fahrgeschäfte darauf.
In der Realität ist es deutlich komplizierter.
Ein moderner Kirmesplatz benötigt ausreichend tragfähige Flächen für schwere Transporte und Fahrgeschäfte. Die Zufahrten müssen auch für lange Sattelzüge geeignet sein. Rettungswege dürfen nicht blockiert werden. Feuerwehr und Rettungsdienst benötigen funktionierende Anfahrtsachsen. Strom, Wasser und Abwasser müssen organisiert werden. Hinzu kommen Lärmschutz, Jugendschutz, Sicherheitskonzept, Toiletten, Müllentsorgung, Beleuchtung, Fluchtwege und Besucherlenkung.
Auch das Umfeld spielt eine große Rolle. Eine freie Fläche kann auf einer Karte perfekt wirken und trotzdem ungeeignet sein, wenn Zufahrten zu eng sind, Untergrund oder Gefälle problematisch sind oder unmittelbar angrenzende Wohnbebauung erhebliche Lärmkonflikte erwarten lässt.
Genau deshalb wäre eine mögliche neue Herbstkirmes in Sterkrade kein Projekt, das man einfach auf einen Parkplatz setzen könnte. Sie müsste professionell geprüft und geplant werden.
Trotzdem lohnt sich die Frage nach einem Standort.
Der Hirschberg als mögliche Idee
Aus Sicht von FunFair Entertainment wäre der Hirschberg ein Gelände, das zumindest einmal ernsthaft geprüft werden könnte.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum zu behaupten, dass die Stadt dort eine Kirmes plant. Das ist nicht der Fall. Der Hirschberg ist hier ein Vorschlag, eine Idee und ein Diskussionsansatz.
Interessant sind vor allem die vorhandenen Parkplatz- und Freiflächen. Im unteren Bereich rund um den Bunker gibt es befestigte Flächen. Oberhalb auf dem Hirschberg befinden sich weitere Bereiche, die bei einer ersten Betrachtung grundsätzlich Platz für mehrere Kirmesgeschäfte bieten könnten.
Gerade die Kombination aus unterem und oberem Bereich macht die Idee spannend. Statt eines einzigen rechteckigen Festplatzes könnte ein kleiner Rundlauf oder eine gestaffelte Kirmes entstehen.
Vorstellbar wäre keine zweite Sterkrader Fronleichnamskirmes, sondern bewusst eine kompakte Herbstveranstaltung.
Ein oder zwei größere Fahrgeschäfte, mehrere Familiengeschäfte, Autoscooter oder Musikgeschäft, Kinderfahrgeschäfte, Spielgeschäfte und Gastronomie könnten bereits ausreichen, um einen attraktiven Stadtteilrummel zu schaffen.
Welche Geschäfte tatsächlich aufgestellt werden könnten, würde vollständig von den vermessenen Stellflächen, der Tragfähigkeit, dem Gefälle, den Zufahrten und den Sicherheitsabständen abhängen. Eine konkrete Beschickung lässt sich deshalb aus der Ferne nicht seriös festlegen.
Aber genau darin liegt auch der Reiz der Idee: Es müsste keine riesige Veranstaltung sein.
Sterkrade braucht keine zweite Fronleichnamskirmes
Eine neue Herbstkirmes wäre nur dann sinnvoll, wenn sie ihre eigene Identität bekommt.
Der größte Fehler wäre der Versuch, die Fronleichnamskirmes im Kleinformat zu kopieren.
Sterkrade hat bereits ein großes Volksfest. Eine Herbstkirmes könnte bewusst anders funktionieren: kompakter, familiärer, stärker saisonal gestaltet und vielleicht über vier Tage von Freitag bis Montag.
Denkbar wäre eine Veranstaltung im Oktober oder rund um die traditionelle Allerheiligenzeit. Herbstbeleuchtung, warme Gastronomieangebote, klassische Kirmesgeschäfte und ein überschaubarer Platz könnten eine völlig andere Atmosphäre erzeugen als die sommerliche Fronleichnamskirmes.
Damit würde die Herbstkirmes nicht mit dem großen Fest konkurrieren, sondern das Sterkrader Kirmesjahr ergänzen.
Auch für Schausteller könnte ein solcher Termin interessant sein, sofern er sinnvoll in bestehende Reiserouten passt. Im Herbst endet die Saison vieler Geschäfte noch lange nicht. Zahlreiche Herbstkirmessen, Oktoberveranstaltungen und Allerheiligenmärkte zeigen, dass auch nach dem Sommer weiterhin Nachfrage nach Volksfesten besteht.
Eine neue Sterkrader Herbstkirmes müsste allerdings attraktiv genug sein, um gute Geschäfte zu bekommen, ohne sich finanziell oder organisatorisch zu übernehmen.
Was auf dem Hirschberg geprüft werden müsste
Bevor aus einer Idee überhaupt ein realistisches Konzept werden könnte, wären mehrere Punkte entscheidend.
Zunächst müsste geklärt werden, welche Flächen tatsächlich für Veranstaltungen zur Verfügung stehen und wem sie gehören beziehungsweise wer über ihre Nutzung entscheidet.
Danach müsste eine exakte Vermessung erfolgen. Fahrgeschäfte benötigen nicht nur ihre eigentliche Grundfläche. Hinzu kommen Ausleger, Kassen, Treppen, Sicherheitsbereiche, Rangierflächen und teilweise Wohn- oder Packwagen.
Besonders wichtig wäre die Topografie. Der Hirschberg ist kein komplett ebener klassischer Festplatz. Höhenunterschiede und Gefälle könnten bestimmte Bereiche für große Anlagen ungeeignet machen oder zusätzliche technische Maßnahmen verlangen.
Auch die Belastbarkeit der befestigten Flächen müsste geprüft werden. Ein moderner Kirmestransport kann viele Tonnen wiegen. Nicht jede Parkplatzdecke oder Zufahrt ist automatisch für solche Lasten geeignet.
Hinzu kämen Feuerwehr- und Rettungswege. Eine Veranstaltung darf niemals so dicht aufgebaut werden, dass Einsatzfahrzeuge nicht mehr durchkommen.
Ein weiterer Punkt wäre der Lärmschutz. Musikgeschäfte, Durchsagen und Fahrgeräusche sind Teil einer Kirmes. Gleichzeitig müsste geprüft werden, welche Wohngebiete oder sensiblen Einrichtungen im Umfeld liegen und welche Betriebszeiten vertretbar wären.
Auch Parkplätze würden während der Veranstaltung wegfallen. Dafür müsste ein Mobilitätskonzept geschaffen werden. Gerade in Sterkrade wäre eine gute Einbindung von Bus und Bahn ein großer Vorteil.
Stromversorgung, Wasseranschlüsse, Toiletten, Mülllogistik und Beleuchtung wären weitere praktische Fragen.
Kurz gesagt: Platz allein reicht nicht.
Aber Platz ist die erste Voraussetzung – und genau deshalb ist der Hirschberg als Gedankenspiel interessant.
Ein Stück verlorene Kirmeskultur zurückholen
Der wichtigste Grund für eine neue Herbstkirmes wäre am Ende nicht die Zahl der Fahrgeschäfte.
Es wäre die Rückkehr einer Tradition.
Viele Städte verlieren im Laufe der Jahrzehnte kleinere Volksfeste. Flächen werden bebaut, Kosten steigen, Sicherheitsanforderungen wachsen und Veranstalter konzentrieren sich auf wenige große Termine.
Das ist nachvollziehbar, führt aber dazu, dass Kirmeskultur immer stärker auf große Veranstaltungen reduziert wird.
Oberhausen zeigt mit Kröößkirmes und Wottelkirmes, dass es auch anders geht. Kleine Kirmessen können weiterhin funktionieren, wenn sie eine klare lokale Identität besitzen.
Sterkrade hätte dafür beste Voraussetzungen.
Der Name Sterkrade ist eng mit Kirmes verbunden. Kaum ein anderer Oberhausener Stadtteil besitzt eine derart starke Verbindung zum Schaustellerwesen und zu einem großen Volksfest.
Eine kleinere Herbstkirmes würde diese Tradition nicht neu erfinden. Sie würde an etwas anknüpfen, das früher bereits existierte.
Allerheiligenkirmes als historische Inspiration
Gerade die frühere Allerheiligen- beziehungsweise Herbstkirmes könnte als Inspiration dienen.
Dabei müsste eine neue Veranstaltung nicht zwangsläufig exakt denselben Namen oder dasselbe Konzept übernehmen. Historische Tradition darf sich weiterentwickeln.
Ein moderner Name könnte beispielsweise bewusst an die alte Allerheiligenkirmes erinnern, ohne so zu tun, als wäre die historische Veranstaltung einfach unverändert zurückgekehrt.
Wichtig wäre vor allem die Erzählung dahinter: Sterkrade hatte früher neben der Fronleichnamskirmes einen zweiten Kirmestermin. Dieser verschwand, weil sich die Stadt und ihre Flächen veränderten. Heute könnte man prüfen, ob an anderer Stelle wieder Raum für eine kleinere Herbstkirmes vorhanden ist.
Das wäre keine künstliche Eventidee, sondern eine moderne Fortsetzung einer vorhandenen Kirmesgeschichte.
Wie eine neue Herbstkirmes aussehen könnte
Ein mögliches Konzept müsste bewusst realistisch bleiben.
Eine viertägige Veranstaltung von Freitag bis Montag wäre für eine Stadtteilkirmes denkbar. Der Aufbau könnte sich auf eine überschaubare Zahl von Geschäften konzentrieren.
Wichtig wäre eine gute Mischung statt möglichst vieler Anlagen.
Ein attraktives Rundfahrgeschäft oder Hochfahrgeschäft könnte den Blickfang bilden. Dazu könnten ein Musik- oder Familiengeschäft, ein Autoscooter, Kinderfahrgeschäfte und mehrere Spielgeschäfte kommen. Ergänzt durch klassische Kirmesgastronomie würde daraus bereits ein vollständiges kleines Volksfest.
Entscheidend wäre nicht, ob zehn, zwanzig oder mehr Fahrgeschäfte auf dem Papier möglich wären. Entscheidend wäre, dass der Platz angenehm wirkt und die Geschäfte wirtschaftlich funktionieren können.
Zu große Flächen mit zu wenigen Besuchern helfen niemandem. Eine kompakte Kirmes mit gutem Rundlauf kann attraktiver sein als eine weit auseinandergezogene Veranstaltung.
Auch das Herbstthema könnte stärker genutzt werden. Beleuchtung, Dekoration und gastronomische Angebote könnten bewusst zur Jahreszeit passen, ohne aus der Veranstaltung einen künstlichen Themenmarkt zu machen.
Sterkrade und die Schaustellertradition
Eine neue Herbstkirmes hätte außerdem eine symbolische Bedeutung.
Sterkrade ist einer der bekanntesten Kirmesorte in Nordrhein-Westfalen. Jedes Jahr kommen zahlreiche Schaustellerbetriebe in die Stadt. Viele Familien und Betriebe haben über Jahrzehnte Beziehungen zum Platz aufgebaut.
Eine zusätzliche kleinere Veranstaltung könnte diese Verbindung weiter stärken.
Natürlich darf man dabei die wirtschaftliche Realität nicht ignorieren. Schausteller reisen dorthin, wo ein Platz wirtschaftlich sinnvoll ist. Standgeld, Besucherzahlen, Energiekosten, Personal und Anschlussplätze müssen zusammenpassen.
Eine neue Kirmes braucht deshalb nicht nur Begeisterung, sondern ein tragfähiges Konzept.
Genau deshalb wäre der richtige erste Schritt keine sofortige Ankündigung, sondern eine Machbarkeitsprüfung.
Die Stadt könnte gemeinsam mit Schaustellerverbänden, örtlichen Akteuren und möglichen Veranstaltern untersuchen, ob es Bedarf und geeignete Flächen gibt.
Vielleicht wäre der Hirschberg am Ende perfekt. Vielleicht zeigt eine Prüfung aber auch, dass ein anderer Ort besser geeignet ist.
Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht: Muss die Herbstkirmes unbedingt auf den Hirschberg?
Die wichtigere Frage lautet: Könnte Sterkrade wieder eine Herbstkirmes bekommen?
Warum die Idee eine Diskussion wert ist
Oberhausen besitzt heute drei städtische Kirmessen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Die Sterkrader Fronleichnamskirmes steht für Größe und überregionale Bedeutung.
Die Kröößkirmes steht für Schmachtendorfer Tradition und Familiencharakter.
Die Wottelkirmes steht für Königshardter Stadtteilidentität.
Eine neue Sterkrader Herbstkirmes könnte eine vierte Facette hinzufügen: die Wiederbelebung einer verschwundenen Tradition.
Sie müsste nicht riesig sein. Sie müsste nicht mit Düsseldorf, Crange oder Sterkrade an Fronleichnam konkurrieren. Sie müsste vor allem gut gemacht sein.
Ein geeigneter Platz, eine vernünftige Beschickung, faire Bedingungen für Schausteller, gute Verkehrsanbindung und ein klarer Bezug zur Sterkrader Geschichte könnten aus einer solchen Veranstaltung etwas Eigenständiges machen.
Und vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, zumindest wieder darüber zu sprechen.
Oberhausen hat seine Kirmestradition nie verloren
Am Ende zeigt der Blick auf Oberhausen vor allem eines: Die Kirmeskultur der Stadt lebt.
Sie lebt in der riesigen Sterkrader Fronleichnamskirmes.
Sie lebt in der Kröößkirmes von Schmachtendorf.
Sie lebt in der Wottelkirmes von Königshardt.
Und sie lebt in den Erinnerungen an Veranstaltungen, die es heute nicht mehr gibt.
Die frühere Sterkrader Herbst- beziehungsweise Allerheiligenkirmes gehört zu diesen Erinnerungen.
Vielleicht muss nicht jede verschwundene Kirmes zurückkehren. Städte verändern sich, Flächen verändern sich und Veranstaltungen müssen sich an neue Rahmenbedingungen anpassen.
Aber manche Traditionen sind es wert, neu gedacht zu werden.
Eine neue Herbstkirmes in Sterkrade wäre deshalb mehr als ein zusätzlicher Termin im Veranstaltungskalender. Sie könnte ein Stück verlorene Kirmeskultur zurückbringen und gleichzeitig zeigen, dass Tradition nicht bedeuten muss, alles genauso zu machen wie früher.
Der Hirschberg wäre aus Sicht von FunFair Entertainment ein Standort, den man dafür zumindest prüfen könnte.
Ob daraus jemals Realität wird, liegt nicht bei uns.
Aber die Idee ist es wert, diskutiert zu werden.


