Essen-Werden, Platz der Werdener Feintuchwerke –
Die Appeltatenkirmes 2026 in Essen-Werden ist abgesagt. Die Interessengemeinschaft der Schausteller Essen begründet den kurzfristigen Schritt mit deutlich gestiegenen Veranstaltungskosten und zu wenigen Bewerbungen von Schaustellerbetrieben. Die traditionsreiche Ludgerus-Kirmes gilt als älteste Kirmes der Stadt Essen und blickt auf eine mehr als 800-jährige Geschichte zurück.
In der offiziellen Terminübersicht der Interessengesellschaft Schausteller Essen war die Veranstaltung ursprünglich für den 5. bis 8. September 2026 auf dem Platz der Werdener Feintuchwerke angekündigt. Wenige Tage vor dem geplanten Beginn steht nun fest, dass die Kirmes in diesem Jahr nicht stattfindet.
Hohe Grundkosten treffen auf weniger Teilnehmer
Schaustellerpräsident Albert Ritter erklärte gegenüber dem WDR, dass sich 2026 deutlich weniger Betriebe für die Appeltatenkirmes beworben hätten. Gleichzeitig seien die Grundkosten der Veranstaltung gestiegen.
Da die Essener Schausteller die Kirmes selbst organisieren und finanzieren, werden diese Kosten auf die teilnehmenden Betriebe verteilt. Sinkt die Zahl der Teilnehmer, steigt damit der Anteil für jeden einzelnen Schausteller. Nach Angaben Ritters zogen mehrere Betriebe ihre Bewerbung wieder zurück, weil die Kosten für sie nicht mehr wirtschaftlich darstellbar waren.
Die Stadt Essen richtet die Kirmes nach Angaben Ritters bereits seit den 1960er Jahren nicht mehr selbst aus. Die Essener Schausteller tragen deshalb unter anderem die Kosten für Organisation, Infrastruktur und Durchführung.
Stromversorgung wird zum Kostenfaktor
Ein wesentlicher Punkt ist die Stromversorgung auf dem Platz der Werdener Feintuchwerke. Laut WDR müssen die Schausteller dort Baustellenstrom nutzen. Zusätzlich wird für die Versorgung ein geeigneter Transformator benötigt.
Ritter nennt für die Miete eines modernen Transformators Kosten von bis zu 3.000 Euro für die Veranstaltung. Baldeneysee.Ruhr berichtet außerdem, dass am Standort kein entsprechender stationärer Transformator zur Verfügung stehe und deshalb immer wieder eine mobile Anlage eingesetzt werden müsse.
Hinzu kommen Kosten für Absperrungen und Sicherheitsmaßnahmen. In Kombination mit der geringeren Zahl an Schaustellerbetrieben ließ sich die Veranstaltung nach Angaben der Verantwortlichen nicht mehr wirtschaftlich durchführen.
EU-Anforderungen richtig eingeordnet
In den Berichten wird im Zusammenhang mit der Transformatorentechnik auch auf europäische Vorgaben verwiesen. Die maßgebliche EU-Ökodesign-Verordnung für Leistungstransformatoren ist jedoch nicht neu im Jahr 2026. Die Verordnung 548/2014 stammt aus dem Jahr 2014; verschärfte Effizienzanforderungen der Stufe 2 gelten seit dem 1. Juli 2021.
FunFair Entertainment stellt die Absage deshalb nicht als Folge eines neu eingeführten EU-Verbots im Jahr 2026 dar. Entscheidend ist die von den Schaustellern beschriebene wirtschaftliche Belastung durch die benötigte moderne Stromversorgung und die damit verbundenen Miet- und Infrastrukturkosten.
Starke Konkurrenz im September
Zusätzlich fällt die Appeltatenkirmes in eine besonders dicht belegte Phase des NRW-Kirmeskalenders. September und Oktober gehören zu den Monaten mit besonders vielen Volksfesten und Herbstkirmessen.
Für Schaustellerbetriebe bedeutet das eine große Auswahl an möglichen Spielorten. Nach Angaben Ritters habe diese Konkurrenz ebenfalls dazu beigetragen, dass für Essen-Werden weniger Bewerbungen eingingen.
Neuer Anlauf für 2027 geplant
Die Absage soll nicht das Ende der Appeltatenkirmes bedeuten. Ritter kündigte gegenüber dem WDR an, die Veranstaltung für 2027 erneut auszuschreiben. Voraussetzung sei allerdings, dass sich wieder mehr Schaustellerbetriebe beteiligen.
Auch Oliver Müller von der IGS Essen sieht eine Perspektive für das kommende Jahr. Gegenüber Baldeneysee.Ruhr erklärte er, dass die Standkosten wieder auf ein wirtschaftlich tragbares Niveau gebracht werden sollen. Erste Gespräche mit Westnetz laufen demnach bereits.
Für 2026 bleibt die Appeltatenkirmes abgesagt. Das Ludgerusfest als kirchliche Veranstaltung ist davon getrennt zu betrachten und wird nach den aktuell veröffentlichten Informationen weiterhin für Anfang September geführt.


